Verein für Segelflug Krefeld schenkte krebserkrankten Kindern und ihren Familien einen besonderen Tag auf dem Egelsberg.
Einfach einsteigen, abheben und für eine Weile alles hinter sich lassen: Arzttermine, Untersuchungen, Sorgen. Für Kinder mit einer Krebserkrankung, die sich noch in der Nachsorge befinden, wurde dieser Wunsch auf dem Flugplatz Egelsberg Wirklichkeit. Gemeinsam mit ihren Geschwistern und Eltern verbrachten sie dort einen Flugnachmittag. Bereits zum zehnten Mal hatte der Verein für Segelflug Krefeld (VfS) den Förderverein zugunsten krebskranker Kinder Krefeld eingeladen. Die Idee dazu hatte Thomas Deckers vom VfS damals angestoßen. Seitdem organisiert er den Nachmittag gemeinsam mit Vereinsmitgliedern und Freunden – und trägt so dazu bei, dass aus der einmaligen Aktion eine feste Tradition geworden ist. Eine Tradition, bei der die Krankheit für einige Stunden nicht im Mittelpunkt steht. Stattdessen können die Kinder einfach Kinder sein: neugierig, mutig, ausgelassen und voller Entdeckerdrang.
"Und jetzt noch Segelfliegen"
Im Hangar duftete es nach frisch gebackenen Waffeln und Kaffee, es gab Gitterkuchen, Muffins und Süßigkeiten. Jugendliche des Vereins hatten einen Basteltisch vorbereitet, an dem kleine Flugzeuge mit bunten Stickern gestaltet wurden. Mit einem Motorrad samt Beiwagen und einem Golfkart konnten die Familien das Gelände erkunden.
Doch die größte Spannung wartete auf dem Flugfeld. Ein Motorflugzeug, zwei Ultraleichtflugzeuge und ein Segelflieger standen für Rundflüge bereit. Für einige Kinder war es das erste Mal, dass sie in ein Flugzeug stiegen. Ein bisschen Nervosität gehörte dazu. Pilot Martin hatte dafür einen einfachen Tipp: "Rausgucken."
Und zu sehen gab es viel. "Wir sind über ganz Krefeld geflogen", berichtete Karen nach der Landung begeistert. Der Elfrather See, der Stadtwald und die Galopprennbahn wirkten aus der Luft plötzlich ganz klein. Kaum wieder am Boden, war die Abenteuerlust längst nicht gestillt. "Jetzt möchte ich noch mit dem Segelflugzeug fliegen", wünschte sich Karen begeistert. Kurz darauf hob Theo mit Schwester Hedi und seiner Mutter in einem einmotorigen Propellerflugzeug ab.
Auch am Boden konnten die Kinder aktiv werden. Guido Möllenbeck und Arnd Weikamp von der Modellbaugruppe Bocholt hatten ein Modellflugzeug mitgebracht, das über eine Doppelsteuerung gemeinsam mit einem erfahrenen Piloten geflogen werden konnte.
Weit mehr als ein schönes Freizeitangebot
Für Jens Greiser, Vorsitzender des VfS Krefeld, war dieser Flugnachmittag eine besondere Form des gesellschaftlichen Miteinanders. Der Verein wolle Kindern, die eine schwere Erkrankung erlebt haben, Freude bereiten und ihnen die Faszination des Fliegens näherbringen. Unterstützung gab es in diesem Jahr vom Aero Club NRW, dem Landesverband für Luftsport in Nordrhein-Westfalen. Er hatte das Event mit einer Geldzuwendung für den so wichtigen Sprit versorgt.
Möglich wurde dieser besondere Tag aber vor allem durch das Engagement vieler Ehrenamtlicher. Pilotinnen und Piloten und andere Mitglieder des VfS Krefeld sorgten dafür, dass sich alle willkommen fühlten. Sevda Aytekin, Geschäftsstellenleiterin des Fördervereins zugunsten krebskranker Kinder Krefeld, bedankte sich dafür mit einem großen Korb Schokolade.
Der wichtigste Dank aber war in den Gesichtern der Kinder zu sehen. Denn solche Auszeiten sind für langzeiterkrankte Kinder weit mehr als ein schönes Freizeitangebot. Klinikaufenthalte, Therapien und Folgeuntersuchungen lassen wenig Raum für das, was Kindheit eigentlich ausmacht: Spontaneität, Freiheit, Bewegung und unbeschwerte gemeinsame Zeit.
Ein Tag mit nachhaltiger Wirkung
Carla Bogers, Leiterin der Spielabteilung des Helios Klinikums Krefeld, weiß, wie wichtig solche Augenblicke sind: "Sie geben Kindern ein Stück Normalität zurück – und das Gefühl, wieder etwas selbst bestimmen und sich etwas zutrauen zu können."
Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft dieses Tages: Wenn ein Flugzeug vom Egelsberg abhebt, geht der Blick hinaus, der Horizont wird größer – und die Sorgen dürfen ein wenig kleiner werden. Nach der Landung ist der Alltag natürlich nicht verschwunden. Aber etwas ist hinzugekommen: eine Erinnerung an einen Tag voller Lachen, Mut und gemeinsamer Erlebnisse. Und an das wunderbare Gefühl, für einen Moment ganz frei zu sein.